FREIWILLIGE FEUERWEHR PERCHTING

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Perchtinger Feuerwehr GeschichteAus unserem Feuerwehrarchiv:

Der Ausbruch eines Brandes war schon immer das größte Unglück, das einem Gehöft widerfahren konnte. In einer Zeit ohne Feuerversicherung bedeutete es nicht selten die völlige Vernichtung der wirtschaftlichen Grundlage. Am 14. April 1768 wurde eine durch Fahrlässigkeit entstandene Feuersbrunst nicht nur zum Verhängnis für ein einzelnes Anwesen, sondern zur Katastrophe für unser ganzes Dorf. Durch starken Westwind begünstigt verbreitete sich das Feuer fast über das gesamte Unterdorf und legte vier Höfe, sieben Sölden, den Pfarrhof und das neuerbaute Gotteshaus in Schutt und Asche. In wenigen Stunden waren damit 1/3 aller Perchtinger Anwesen vernichtet.
Es dauerte Jahrzehnte, bis sich Perchting von diesem Schicksalsschlag erholt hatte. 


Das Feuer war zur Mittagszeit ausgebrochen und nach den Brandprotokollen waren „wenig Leut und auch der Abgang von Wasser" der Grund dafür, dass den Flammen kein Einhalt geboten werden konnte.
Da solche Fälle im Kurfürstentum Bayern immer wieder vorkamen, erließ die Obrigkeit 1791 eine „Allgemeine Feuerordnung" in der unter anderem sehr genaue Anweisungen für die einzuhaltenden Abstände beim Bau von neuen Häusern enthalten sind.


Ein Feuerlöschwesen selbst wird damit noch nicht organisiert, aber es gibt jetzt Verordnungen zur Verhinderung von Bränden und Hinweise, was beim Ausbruch eines Feuers zu unternehmen ist. „In Dörfern hat man bei ausbrechenden Feuersbrünsten sogleich Feuer zu schreyen, sohin in die Kirche zu laufen und mit der großen Glocke Sturm zu leuten oder mit öfteren Flinten- oder Pöllerschießen, auch mit reitenden Boten der Nachbarschaft davon Nachricht zu geben, damit die umliegenden Ortschaften zur Hülfe und Rettung kommen mögen."
Nach Abschluß der politischen Gemeindebildung lag die Sorge für das Feuerlöschwesen in den Händen des Gemeindevorstehers. Die Ortsbewohner wurden zu einer Pflichtfeuerwehr herangezogen, die nirgendwo funktionierte. Im süddeutschen Raum schließen sich daher ab 1860 interessierte Bürger zu freiwilligen Wehren zusammen. In Perchting kommt es am 15. April 1877 unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Franz Wöll, dem Besitzer des Essigmann-Hofes, zum Aufbau der Freiwilligen Feuerwehr Perchting.

Die Ausstattung der 43 aktiven Mitglieder ist zunächst sehr bescheiden. Ihnen stehen 1 Feuerwehrspritze, 150 m Hanfschlauch, Wassereimer aus Leinen, Leitern und Feuerhaken zur Verfügung.

Am 1. Januar 1878 wird die FFW Perchting auch offiziell in den Verband der Feuerwehren des Distriktes „München links der Isar" aufgenommen. Gemeinsam mit anderen Wehren aus dem näheren Umkreis führt sie ein Jahr später beim Verbandstag in Starnberg eine Übung zur völligen Zufriedenheit der vom Königshaus entsandten Inspekteure vor.

Auch der nächste Perchtinger Bürgermeister, Johann Stadler, kümmert sich intensiv um das Feuerlöschwesen. Eine seiner Anweisungen ist im Wortlaut erhalten geblieben: „Bei Brand 2 Glocken läuten, 5 Minuten hernach mit einer Glocke durch öfteres Absetzen. Insofern bei auswärtigen Gemeinden ein Brand ausbricht, durch beständiges Läuten mit 2 Glocken durch öfteres Absetzen; durch hiesigen Meßmer zu geschehen." Weiter ordnet er an, „daß der Spritzenfahrdienst und Feuerreiterdienst am Schluß jeden Jahres den zunächstgelegenen Pferdebesitzer den Hausnummern nach trifft."  







Ausstattung der Perchtinger Feuerwehr 1877: Feuerwehrspritze zum Abprotzen

Allen Forderungen der Obrigkeit kann die Gemeinde nicht gerecht werden. 1883 ist man zwar bereit, 25 Meter neue Schläuche anzuschaffen und im "Feuerhaus" eine Ventilation anzubringen, weigert sich aber, einen anbe-fohlenen neuen Löschweiher anzulegen. „Die Anlegung eines Feuerweihers zur Reservierung des zeitweise übrigen Brunnenwassers läßt sich aus dem Grunde nicht ausführen, weil man dahier froh ist, wenn man nur immer soviel Wasser hat, als man zum gewöhnlichen Gebrauche bedarf. Auf ein zeitweise übriges Brunnenwasser kann nicht gerechnet werden."

Am 13. Juni 1886 verstirbt König Ludwig II., der Protektor der bayerischen Feuerwehren. Auf höchste Anordnung müssen zur Erinnerung an ihn auch in Perchting 6 Wochen lang täglich von 12 bis 13 Uhr sämtliche vorhandenen Kirchenglocken geläutet werden.

Im Sommer 1897 entgeht das Dorf ganz knapp einer neuen Katastrophe. Das Distlweber-Gütl (heute Anton Zerhoch jun.) gerät in Brand, und die schlecht ausgerüstete Perchtinger Feuerwehr steht den Flammen machtlos gegenüber. Die Gemeindeversammlung beschließt darauf sehr schnell: "Es sei die Summe von 1.130 Mark zur Beschaffung einer neuen Saug- und Druckspritze zu verwenden."

Die Lieferung muß umgehend erfolgt sein, denn einige Monate später findet sich der Gemeindebeschluß: „Zur Deckung der Kosten von 1.130 Mark für die bereits beschaffte Feuerspritze muß ein Kredit aufgenommen werden. Verzinsung und Tilgung werden durch einen Bieraufschlag bestritten."






Ausstattung der Perchtinger Feuerwehr 1897:
Saug- und Druckspritze



Aber auch mit der jetzt modernisierten Ausstattung gelingt es der Perchtinger Wehr 1898 nicht, einen Brand im Gasthof des Franz Xaver Wöll unter Kontrolle zu bekommen. Die Wohn- und Ökonomiegebäude fallen den Flammen zum Opfer.

1908 erhält die Freiwillige Feuerwehr Perchtings den ehrenvollen Auftrag zum Ausrichten des Bezirksfeuerwehrtages.
Bei herrlichem Wetter treffen sich am 30. August die Männer vieler Wehren zu gemeinsamen Übungen und anschließendem Feiern. Zuvor hatte sich die Gemeindeverwaltung noch großzügig gezeigt und 2 Messinghelme, 2 Messinghelme mit Kugelspitze, 2 Leibriemen von Lackleder Kl. III, 2 Hammerbeile Kl. III, 1 Sanitätstasche modernster Vorschrift und 1 Wurfleine für insgesamt
104 Mark erworben.

Aus einer Statistik der Feuerwehren des Bayerischen Landes-Feuerwehr-Verbandes geht hervor, daß zu diesem Zeitpunkt von den 258 Einwohnern des Dorfes 43 als aktive Mitglieder bei der FFW waren. Sie verfügten über 150 m Schlauchmaterial, das sie an die neu erbaute Wasserleitung anschließen konnten.

Im gleichen Jahr war die in einer Taubstummenanstalt bei Regensburg reich bestickte Standarte der FFW Perchting fertig geworden. Die Herstellungskosten von 275 Goldmark konnten durch großzügige Spenden der Perchtinger Bürger bezahlt werden. Ein weiteres Stück Perchtinger Feuerwehrgeschichte erzählt ein von 1906 bis 1923 geführtes Kassenbuch des Vereins. Die Männer, die sich unter dem Motto „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" zum Dienst an der Gemein-schaft zusammengefunden hatten, trafen sich durchschnittlich viermal im Jahr zu Übungen, weitaus häufiger allerdings bei gesellschaftlichen Anlässen.

Sie fuhren gemeinsam zu Verbandstagen und nahmen an den Festen der benachbarten Wehren teil. Finanziert wurden die Zusammenkünfte durch einen Mitgliedsbeitrag von jährlich 1 Mark (Vergleichswert: etwa 40 Semmeln); für „Fremde", damit waren Knechte gemeint, betrug der Beitrag 50 Pfennige.

Der Erste Weltkrieg beendete nicht nur die Geselligkeit, sondern auch die Art, wie auf ein ausgebrochenes Feuer aufmerksam gemacht wurde, denn zwei der Perchtinger Kirchenglocken mußten an das Kriegskommissariat abgeliefert werden. Aus dem Tagebuch der Perchtinger Pfarrer ist zu erfahren: „Bricht ein Feuer gegen die Mittagszeit aus, glauben die Leute, es handele sich um das Mittagsläuten und reagieren nicht. Deshalb muß der Ortspfarrer zweimal mit seiner Trompete durch den Ort laufen und damit Feueralarm geben. Erst wenn der Pfarrer mit seiner Trompete Feuersignal gibt – ein Hornist ist nimmer da – wird's lebendig."



Vertreter der Perchtinger Vereine mit ihren Standarten bei der „Krieger-Heimkehrfeier" am 18. Februar 1919 vor dem Krieger-denkmal. Von links: Gesang-Verein Perchting, Gebirgstrachten-Erhaltungsverein D'Hirschbichler, Freiwillige Feuerwehr Perchting



Von den schweren Bränden, die die Ortsfeuerwehr in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg zu bekämpfen hatte, ist besonders der des Hofnerveith-Hofes in der Erinnerung haften geblieben. Das Brandprotokoll berichtet: „Am 10. Dezember 1933 gegen 12:15 Uhr brach im landwirtschaftlichen Anwesen der Geschwister Ludwig, Perchting, Feuer aus und wurde dadurch die über der Viehstallung gelegene 29 m lange und 14 m breite Heu- und Stroheinlage nebst den darin befindlichen Heu- u. Strohvorräten von ungefähr 2.500 Ztr. Altheu und Grumet und ca. 2.000 Ztr. Roggen- und Gerstenstroh vom Feuer vollständig vernichtet. Ebenso wurde die Stallung bis auf die Grundmauern vernichtet. Nur das Wohnhaus, welches zwar an den Viehstall angebaut ist, konnte durch die vorhandene Feuermauer gerettet werden. In der Übertenne befanden sich 45 Ztr. Weizen und 30 Ztr. Gerste, die schon in Säcken gefaßt waren, die ebenfalls dem Feuer zum Opfer fielen." Sämtliche landwirtschaftlichen Geräte des Gehöftes wurden ebenfalls ein Raub der Flammen. „Um ein Übergreifen des Feuers auf die Nachbargebäude zu verhindern sind am Brandherd: die Ortswehr mit 50 Mann, die Wehren von Hadorf mit 20 Mann, von Maising und Starnberg mit je 15 Mann, von Pöcking und Söcking mit je 10 Mann."

1936 war die Bereitschaft für eine freiwillige Mitgliedschaft in der Wehr wohl nicht mehr im nötigen Maß vorhanden, denn ein Gemeindebeschluß verpflichtet jetzt jeden Hausbesitzer einen Feuerwehrmann zu stellen. Um einen Anreiz zu bieten „wird pro Mann nach Schluß der Frühjahrs- und Herbstübungen 1 Liter Bier verabreicht, wenn er seine Übungen restlos mitmacht. Bei Versäumung der Übungen wird 50 Pfennig Strafe festgesetzt."

Ein finanzieller Beitrag zur Brandbekämpfung war für die Dorfbewohner inzwischen ebenfalls zur Pflicht geworden. 1937 betrug er bei einem Grundbesitz bis 10 Tagwerk 50 Pfennige, bis 50 Tagwerk 1 Mark, 50–100 Tagwerk 1,50 Mark, 100–150 Tagwerk 2 Mark, ab 150 Tagwerk 2,50 Mark. Damit sollte u. a. sichergestellt werden, daß die Männer der Wehr innerhalb eines 4-Jahresplanes mit Uniformen ausgestattet werden konnten.

Der auf dem Kammerlocher-Gütl beheimatete Anton Gabelsberger machte sich um die Perchtinger Feuerwehr in besonderem Maße verdient. Er stand von 1937 bis 1945 und von 1949 bis 1960 als Kommandant zur Verfügung. Erheblichen Ärger bekam er im Dritten Reich, weil er eine Rede des Generalfeldmarschalls Göring als „aufgeschnitten" bezeichnet hatte. Kreisleiter Buchner – 1933 war er zum Ehrenbürger Perchtings ernannt worden – bestrafte ihn "wegen Gerüchtemacherei" zur Zahlung von 50 Reichsmark und verlangte seine Absetzung als Kommandant. Nur mit großer Mühe gelang es der Gemeinde die Abberufung des erfahrenen Mannes, der sich auch um die Unterbringung von Ferienkindern und Flüchtlingen kümmerte, zu verhindern.



Eine Lüftlmalerei am Hause von Anton Gabelsberger zeigt den ehemaligen Kommandanten der Feuerwehr Perchtings
mit Trompete und Bierkrug in der Hand und dem humorvollen Spruch:
„Heit sam'a wieda dauernd beim Lösch'n."









Ebenfalls in besonderer Erinnerung geblieben ist ein verheerendes Feuer im Jahre 1943. Am Samstag, dem 6. November, ist die Dorfgemeinschaft auf dem Friedhof versammelt. Man feiert den Festtag Allerheiligen, der – um keine Arbeitstage zu verlieren – während der Zeit des Dritten Reiches auf das dem 1. November folgende Wochenende verlegt worden war. Plötzlich aus dem Grabenschuster-Anwesen aufsteigender Rauch bereitet der Feier ein schnelles Ende. Viele helfende Hände sind zur Stelle, aber machtlos muß man zusehen, wie der Hof bis auf die Grundmauern niederbrennt.

Aus einem Verzeichnis der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Starnberg geht hervor, daß 1946 die Perchtinger Mannschaft der FFW aus 25 aktiven Mitgliedern bestand und eine Saug- und Druckspritze vorhanden war.

Im Laufe der kommenden Jahre wandeln
sich die Pflichten der Feuerwehr immer mehr zu einem allgemeinen Katastrophenschutz. Mit Beginn der Bebauung des „Lachenbeets", dem natürlichen Regenwasser-Auffangbecken der Perchtinger Senke, wird die Hilfe bei in die Häuser eindringendem Regenwasser zu einer jährlich mehrmals wiederkehrenden Aufgabe.







1966 wird die Ausrüstung der FFW durch den Kauf eines Tragkraftspritzenanhängers erheblich verbessert, und im Jahr darauf erhöht sich auch die Mitgliederzahl, denn die 1876 gegründete Freiwillige Feuerwehr Landstetten wird in die FFW Perchting integriert. 1971 gelingt es gemeinsam, bei einem Großbrand in der Schreinerei Beetz das Übergreifen des Feuers auf nahe liegende Höfe zu verhindern.
                              
1977 geht als ein ganz besonderes Jahr in die Geschichte der Perchtinger Feuerwehr ein. Zum 100-jährigen Gründungsjubiläum kann eine neue Fahne geweiht werden, das jüngst erbaute Gerätehaus wird seiner Bestimmung übergeben, und die FFW erhält ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) auf VW LT 31.








Weihe der neuen Fahne der FFW Perchting durch
Herrn Pfarrer Lenz.

   
September 1977: In frischem Glanz erstrahlt das neue Gerätehaus der FFW und die Mannschaft freut sich über das ihr anvertraute TSF.








Obere Reihe von links: Werner Ludwig, Georg Schmid, Josef Graßl, Lorenz Lachenmair, Karl Müller, Hans März, Josef Tremml, Hermann Irsigler. Untere Reihe von links: Anton Graßl, Martin Zerhoch, Georg Plannerer, Martin Lachenmair, Siegfried Fritsch, Hans Rottenfußer











Aus unserem Tagebuch

Dieser Festtag 1977 krönt 100 Jahre Perchtinger Feuerwehrgeschichte. Auch wenn es inzwischen im Dorf keine schindel- oder strohgedeckten Holzhäuser mehr gibt, die es einst dem Feuer sehr leicht machten, von einem Gehöft zum nächsten zu springen, so bringt doch das nächste Vierteljahrhundert nicht weniger Arbeit für die Männer der Wehr, und ab jetzt sind ihre wichtigsten Einsätze auch durch Fotos belegbar.

Am 28. November 1978 kommt es im Gasthaus Wöll zu einem Großbrand. Die landwirtschaftlichen Gebäude des Hofes fallen dem Feuer zum Opfer, und auch der Dachstuhl des Wirtschaftsgebäudes wird vernichtet. Mit Hilfe vieler Feuerwehren der Umgebung gelingt es aber, das Wohnhaus vor den Flammen zu retten. Die FFW Perchting ist weitere drei Tage im Einsatz, bis die Brandwache abgezogen werden kann.
Erhebliche Schwierigkeiten bereitete bei den Löscharbeiten der mangelhafte Druck der Perchtinger Wasserleitung.
Mit dem Anschluß des Dorfes an die überörtliche Trinkwasserversorgung konnte dieses Problem 1982 behoben werden.

1983 öffnet sich die FFW Perchting auch dem Nachwuchs. Die Jugendfeuerwehr wird gegründet und Benno Ammer zum ersten Jugendwart ernannt.

Das erste Grillfest des Jahres wird 1984 für die Töpferei Pfleiderer (damals im Nebengebäude des Anwesens Roder) eine sehr teure Angelegenheit. Man hatte dort die heiße Asche auf einen Kompost-Haufen geschüttet, der sehr schnell in Flammen aufging und einen Baum entzündete. Der wiederum setzte die Scheune mit dem Werkstatt-Material der Töpferei in Brand. Die aus Perchting, Söcking und Starnberg anrückenden Freiwilligen Feuerwehren konnten sich bei ihrem Eintreffen nur noch darauf konzentrieren, ein Übergreifen des Feuers auf das Wohnhaus und die Nachbargebäude zu verhindern. Die Scheune brannte völlig nieder und eine erste Schätzung des Schadens lautete auf 100.000 DM.
1987 erhält die FFW Perchting die Räume im Erdgeschoß des ehemaligen Gemeindehauses zu ihrer Verfügung und baut sie zu einem Unterrichts- und Aufenthaltsraum um.


Gerade noch einmal davongekommen ist am 2. Februar 1990 der „Delphin", das letzte noch erhaltene Schiff des bayerischen Königshauses am Starnberger See. Ein Feuer brach unterhalb des Perchtinger Pfarrstadels aus, in dem das Boot seit zehn Jahren auf einen repräsentativeren Standort wartete. Die Flammen vernichteten die dort ebenfalls untergebrachten Geräte einer Taucherschule. Dank dem schnellen Einsatz der Feuerwehren aus Perchting, Hadorf und Söcking gelang es, das Prunk-Ruderboot zu retten.


Das wertvolle Exponat wurde daraufhin in eine Söckinger Lagerhalle transportiert (Foto rechts). Es ist zu hoffen, dass das mit den Elementen Feuer und Wasser in Berührung gekommene Schiff bald seinem Dornröschenschlaf entrissen und in einem Anbau des Heimatmuseums für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.





Wer am Faschingsdienstag 1990 den Orkan „Vivian" erlebt hat, wird ihn aus ganz verschiedenen Gründen in lebhafter Erinnerung behalten. Im Vereins-heim des Turn- und Sportvereins Perchting-Hadorf ist eine lustige Gesellschaft versammelt, die eine „Bettelhochzeit" feiert. Draußen wird ein heftiger Wind zunächst zum Sturm und dann zu einem Orkan, der drei Tage wütet. Den Hochzeitsfeierlichkeiten bereitet er ein schnelles Ende, denn ohne Strom – und der ist wegen geknickter Masten längst ausgefallen – wird auch das kärglichste Menue nicht gar. Die Hochzeitsgäste treibt es auch deswegen sehr schnell nach Hause, um nachzusehen, ob sich die Dächer ihrer Häuser noch dort befinden, wo sie hingehören.
Für die FFW Perchting bedeutete das Unwetter einen Dauereinsatz von mehreren Tagen. Die Zahl der umgerissenen Bäume war nicht mehr zu überblicken, und der Windbruch bedingte die Sperrung der Straße zwischen Perchting und Drößling. „Vivian" fällte im Landkreis mehr als 100 000 Festmeter Holz. Insgesamt hatten die 44 Wehren des Landkreises und das Technische Hilfswerk mehr als 200 Einsätze zu absolvieren. In dem allgemeinen Chaos brach zeitweise der völlig überlastete Funkverkehr der Hilfsmannschaften zusammen. Nach dem Abschluß des Katastropheneinsatzes erklärte Kreisbrandrat Karl Gfüllner: „Das war an der Grenze des Machbaren !"

Schnelligkeit ist für die Mitglieder unserer Landkreiswehren keine Hexerei. Drei Minuten nachdem sie am 21. Dezember 1991 von einem Brand erfahren hatten, waren 20 Männer der Perchtinger FFW in voller Ausrüstung am Einsatzort. Selbst wenn böswillige Zungen unterstellen sollten, daß man gerade im 100 m entfernten Feuerwehrstüberl zu einem Ratsch zusammen gesessen sei, so muß doch festgestellt werden, daß die zur Verstärkung gerufenen Söckinger mit 20 Floriansjüngern nur sechs Minuten später eintrafen und bald darauf auch die Starnberger Wehr mit 27 Mann zur Stelle war.

Dichte Rauchwolken quollen damals aus den Fenstern im ersten Stock des Hauses Römerstraße 5. Eine Verpuffung im Ölofen hatte ein Feuer entfacht, und ein 77-jähriger Mann und sein Sohn waren von den Flammen eingeschlossen. Durch beißenden Rauch arbeiteten sich die Feuerwehrler vor, und es gelang ihnen, die Bewohner aus ihrer brennenden Wohnung zu retten. Während die beiden Männer mit Rauchvergiftung von Sanitätern ins Krankenhaus gebracht wurden, konzentrierten sich die Rettungskräfte auf die Eindämmung des Feuers. Dennoch brannten zwei Räume völlig aus, zwei weitere wurden durch Ruß und Rauch unbewohnbar. Die Flammen hatten auch in der Zwischendecke zum Dachstuhl Nahrung gefunden. Um die Nester des Schwelbrandes zu bekämpfen, mußte die FFW die Holzdecke aufschneiden. Nach einem dreistündigen Einsatz an dem 67 Helfer mit 11 Fahrzeugen beteiligt waren, war dank des schnellen Eingreifens die Gefahr gebannt.

Pfingsten 1999 war gekommen, und unser Schutzpatron Florian muß die vielen Grillfeuer mit einem heftigen Brand verwechselt haben. Er ließ es regnen und regnen und bescherte damit allein in Perchting 19 Aktiven der FFW einen Einsatz von insgesamt 463 Stunden.

160 Liter Wasser pro Quadratmeter stürzten an einem Wochenende auf die abflußlose Perchtinger Senke nieder, und das bedeutete bei dem sowieso sehr hohen Grundwasserspiegel an vielen Stellen „Land unter". Der Einsatz aller verfügbaren Pumpen brachte bei der großen Anzahl überfluteter Kellerräume nur wenig. Als auch der Dorfweiher, „die Schwemm", am Ende seiner Aufnahmekapazität war und Überflutungsgefahr bei den angrenzenden Häusern bestand, veranlaßte der 1. Kommandant das Ausgraben eines Ablaufkanals.

 













Einem Wasserfall gleich stürzten sich die Fluten des überlaufenden Dorfweihers in eine Kanalgrube









Noch wochenlang nach dem Pfingsthochwasser 1999 war die Gegend um Perchting – wie hier in Landstetten – in eine Seenlandschaft verwandelt.


Die von der FFW Perchting zwischen 1993 und 2001 geleisteten 2705 Einsatzstunden kamen nicht nur durch Hilfe bei Bränden, Sturmschäden und Überschwemmungen zusammen. Als „Männer für alle Fälle" kümmerten sich die Mitglieder der Wehr um jeden, der sich einer Notsituation gegenüber sah.

Das Tagebuch erzählt von vielen Verkehrsunfällen, die manchmal nur einen Blechschaden zur Folge hatten, so manches Mal aber auch verheerend ausgingen, wobei der Anblick verstümmelter toter Menschen die Psyche der Helfer bis zum Letzten forderte. Um die Sicherheit auf den Straßen zu gewährleisten, waren nach Unfällen oder durch leckende Schneepflüge und Traktoren hervorgerufene Ölspuren zu beseitigen, mußte Jauche von der Straße entfernt werden. Verunglückte Personen wurden über Leitern aus ihren Wohnungen geholt, Verletzte waren ins Krankenhaus zu bringen und auch im Stallboden eingebrochene Bullen waren zu bergen. Auf Dachböden wurden Wespen mit dem Staubsauger eingefangen und – wie das Gesetz es befiehlt – in gehörigem Abstand vom Dorf wieder freigelassen.

Doch auch an so manche skurrile Geschichte erinnern sich die Männer der Wehr bei ihren Treffen sehr gerne. Und dazu gehört die Sache mit dem entflohenen Wellensittich, der beim ersten Einsatz seine Freiheit erfolgreich verteidigte und der FFW erst am nächsten Tag in die Netze ging. Eine schnellere Lösung fand das Problem mit einem Marder, von dem sich eine Familie bedroht fühlte. Er entpuppte sich als harmloser Siebenschläfer.


Jugendgruppe

Die Jugendgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Perchting wurde bereits am 01.07.1983 mit 12 Jugendlichen gegründet. Der erste Jugendwart war Benno Ammer. Von 1991 bis 1993 führte Rainer Ludwig die Jugendgruppe, danach übernahm Wolfgang Beetz das Amt kommissarisch. Am 01.07.1994 wurde Martin Ammer zum Jugendwart bestellt. 

Als Jugendprogramm werden Zeltlager durchgeführt, und Besichtigungen von verschiedenen Berufs-, Werks- und Freiwilligen Feuerwehren, der Rettungsleitstelle oder der Polizei stehen auf dem Programm. Aber auch Besuche von Königsschlössern und Schwimmbädern erfreuen sich großer Beliebtheit. Am Kindertag der Stadt Starnberg wird ebenso teilgenommen wie am Jugendwettbewerb der Feuerwehren des Landkreises Starnberg.

Mehr zu Perchting und dessen Geschichte auf Wikipedia.




                                  Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr !

                                      
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